Rezension

Ostseeripper - Elmar Benninghaus

 

Jetzt muss sich unsereiner doch glatt noch in ein Metier wagen, wo er sich eigentlich nicht bzw. nur bedingt auskennt. Sinnigerweise ist aber gerade dies der Grund, warum man sich wagt, aber auch erst mal mit einer mittelschweren Einleitung beginnen muss.
Krimis waren die letzten zehn Jahre praktisch tot. Ausgestorben für unsereins. Was auf keinen Fall bedeuten soll, dass es keine guten gegeben hat. Doch allzu offensichtlich war hier ein fernsehgerechtes Trendsetting spürbar, welches irgendwann anfing, sogar zum Personenkult von Krimi-Schriftstellern bzw. ihren Protagonisten zu werden. Ich nenne dies immer gerne das TV-Tatort-Syndrom. Aber wie beim Tatort selber war außer Krimi eben auch nicht mehr drin. Und nachdem man, aufgrund der üblichen gesellschaftlichen Geschenkverpflichtungen, auch bei den neuzeitlicheren vertriebsgestylten Skandinaviern, genauso wie bei irgendwelchen Kluftingers, immer das gleiche Schema entdeckt hatte, war die Ermüdung irgendwann so groß, dass man auch die Lust daran verlor. Ein spezieller Grund dafür war zusätzlich der, dass man sich zwar durchaus noch an alte Krimis mit Gesellschaftskritik darin erinnern konnte, aber das letzte Jahrzehnt fiel und fällt doch nun wirklich durch eine ausgesprochene Verklemmung in dieser Richtung auf.

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Rezension

Ostseeripper - Roberto De Lapuente

Kriminalroman, nicht Kriminalromantik

Schaltet man abendlich ins Privatfernsehen, stöbert darin umher, so glaubt man die polizeiliche Arbeit zu kennen. Technologisierte Verfahren, DNS-Analysen, Massengentest, Beamte, für die keine grundgesetzlich fixierten Gebote im Umgang mit Zeugen und Tatverdächtigen mehr gelten. In Teasern bei RTL reißt sich ein rothaariger Ermittler stets gedankenschwanger die Sonnenbrille aus dem Gesicht und erklärt einem Tatverdächtigen, dass die in Windeseile ermittelte DNS gleich Licht ins Dunkle bringen werde und ihn ins Gefängnis – was technisch gar nicht so fix machbar ist, was das in dubio pro reo auf den Kopf stellt. Auf anderen Privatsendern dringen Beamte in Wohnungen ein und drohen Zeugen mit gesetzlichen Lügengebäuden. Kurz und schlecht, wie Polizeiarbeit heute nicht geschieht: ein Blick ins Fernsehen, selbst ein Blick in den Tatort – und man weiß es.

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